De TAIN Lübeck e.V.
Geleitweg 89, 23569 Lübeck, Tel. / Fax 0451 / 395834

Im Spätsommer 1981 trafen 10 Jugendliche aus dem Großraum Lübeck aufeinander, die Hälfte von Ihnen hatte, gemeinsam mit ein paar hundert anderen, ein Hüttendorf auf dem Bohrgelände in Gorleben bewohnt und war von der Polizei abgeräumt worden.
Die andere Hälfte Gleichaltriger kam aus christlich und kirchlich geprägten Gruppen wie dem CVJM und wollte sich sozial engagieren.

 

 

Gemeinsam vereinbarten Sie zunächst ein Waldstück, später auch ein Stück des Landgrabens, vom Wohlstandsmüll zu befreien. Dann wurde sich um einen heruntergekommenen Kinderspielplatz gekümmert, aufgeräumt, ein paar Tupfer Farbe hier, ein paar Spritzer Fett da und der Platz sah wieder ganz manierlich aus. Damit das so blieb und sich auch wieder Kinder unter 12 Jahren auf den Platz trauten, wurden ein paar Wochen lang ältere Jugendliche des Platzes verwiesen, mit den Müttern geredet und den Kindern gespielt.

Gleichzeitig begann man, sich im Wechsel gegenseitig zu TAIN- Treffen zu besuchen und dabei ein kleines Programm zu bieten, daß die Stärken und Interessen des jeweiligen Gastgebers zur Geltung bringen sollte. Politische und religiöse Diskussionen drehten sich schwerpunktmäßig klar um das Thema Frieden.

Die Suche nach geeigneten Aktionsformen brachten Kontakte zu Organisationen wie "Ohne Rüstung leben", "Aktion Sühnezeichen", später auch zur "Kriegsgräberfürsorge" und zu Teilen des Kirchentages. Man gab sich eine in Abgrenzung zu vielen K- Gruppen streng demokratische Satzung mit vielen plebiszitären Elementen und modernen Erscheinungsformen, wie etwa einem Rotationsprinzip und Ächtung der Ämterhäufung.

Nach der Umsetzung des NATO- Doppelbeschlusses ( 1983 ), blieb es friedensbewegt; für einige Zeit nahm die Unterstützung von Initiativen zur Verhinderung oder zumindest Verzögerung des KKW Brockdorfs aber breiteren Raum ein.

Mitte der achtziger Jahre blieben von den ursprünglichen Mitbegründern des TAIN nur noch zwei dabei, doch längst hatten sich andere gefunden, die Ihren Platz besetzten, der TAIN erreichte jedes Jahr um die sechzig Interessierte. In dieser Phase wurde einerseits viel gespielt und Spaßaktionen wurden gemacht, andererseits gab es Angebote die sich stark mit Alternativen zum Juppie- Modestil der achtziger Jahre auseinandersetzten. Da wurden Stricknadeln gebaut und Strick- und Brettchenwebkurse abgehalten, es wurde selbst Kosmetik zusammengerührt und Massagekurse veranstaltet. Es war die Zeit von Teestube und Hauskreisen und von handgemachter Musik füreinander.

1996 war das Jahr eines erneuten Umschwunges. De TAIN wollte frisches Blut, neue Teilnehmer, um die zu bekommen auch sein Angebot ausweiten und brauchte dazu die Förderungsmöglichkeiten eines e.V. . Dies brachte erneut viele Austritte - viele waren ja gerade beim TAIN, um der an anderen Stellen üblichen Vereinsmeierei zu entgehen, die Sie nun auch hier fürchteten. Andere nahmen die Gelegenheit wahr und traten peu à peu bei. 1997 gab es 25 Mitglieder und etwa genau so viele Nutzer von TAIN- Veranstaltungen. Von 1996 an begann die Fahrtentätigkeit einen festen Platz im Vereinsleben einzunehmen auch Glaubensgesprächskreis und Indiacagruppe formierten sich. Am Schloß, als neuem Vereinshaus, wurde gebaut und de TAIN beteiligte sich fortan am Ferienpaß in der Hansestadt Lübeck.

Es sind profunde Kenntnisse in der Jugendarbeit über den Rand von Lübeck hinaus erworben worden und schlugen sich in Aktionen nieder. Doch, da mehr und mehr erfahrene Gruppenleiter inzwischen eigene Familien und nur noch beschränkt Zeit für Vereinsarbeit haben, muß es gelingen aus den vielen neuen Programmnutzern Mitglieder, aus Mitgliedern Tätige Mitglieder und aus diesen gute Gruppenleiter zu machen. Nur dann wird es gelingen, das hohe Niveau unabhängiger ehrenamtlicher Jugendarbeit zu halten und Impulse für die jeweils aktuelle politische Situation geben zu können.

De TAIN steht nach eineinhalb Jahren mit Coronabeschränkungen vor der Situation, daß viele Ehrenamtliche nicht mehr in alter Frische mittun können. 2022 wird hoffentlich eine Rückkehr zum gewohnten Vereinsleben mit sich bringen, es sollen aus den vielen neuen Programmnutzern Mitglieder, aus Mitgliedern Tätige Mitglieder und aus diesen neue Gruppenleiter werden. Nur dann wird es gelingen, das hohe Niveau unabhängiger ehrenamtlicher Jugendarbeit zu halten und Impulse für die jeweils aktuelle politische Situation geben zu können.

Tom Holger